
- Pratchett collage - Zippi Foto
Science Fiction und Fantasy begeistern nicht nur junge Leser schon seit dem 19. Jahrhundert, als Jules Verne Captain Nemo im U-Boot „Nautilus“ 20000 Meilen unter dem Meeresspiegel schippern ließ. H.G. Wells Romane waren, ebenso wie George Orwells Werke düster, manchmal gruselig. Und auch J.R.R. Tolkiens Trilogie „Der Herr der Ringe“ führt in eine dunkle Welt, genannt Mittelerde. Aber eine neue Generation Genre-Autoren, herangereift in den Swinging Sixtees, brachte Pepp und Humor in die Welt der Fantasie. Douglas Adams begeisterte die SiFi-Fanwelt mit seiner Buchreihe „Per Anhalter durch die Galaxis“, die voll war von schrägem, britischen Humor. Bald darauf erschien ein weiterer Engländer auf der Szene, dessen Fantasy-Romane fortan satirische Spiegel unserer realen Welt darstellen.
Terry Pratchett
Geboren wurde er 1948. Schon als Schüler schrieb er gern Geschichten, als Schulaufsätze, oder als Kurzgeschichten in der Schülerzeitung. Er beschloss, im Pressewesen seine Zukunft zu suchen und studierte Journalismus. Noch während des Studiums fand er einen Verlag, der seine erste längere Story als Buch herausbringen wollte. „Die Teppichvölker“ (The Carpet People). Man schrieb das Jahr 1971. Es folgten „Die dunkle Seite der Sonne“ (1976) und „Strata“ (1980). War der erste Roman noch eine Fantasie über das Leben im Mikrokosmos eines Teppichs, waren die anderen beiden Werke mehr SiFi. Ende der 70er wurde Pratchett Pressesprecher der britischen Atomenergiebehörde. 1982 erschien der vierte Roman. „Die Farbe der Magie“.
Die Scheibenwelt
Flach wie eine Pizza liegt die Discworld, wie sie im englischen Original heisst, auf dem Rücken von vier Elefanten, die wiederum auf dem Rückenpanzer der großen kosmischen Schildkröte Groß-A’Tuin stehen. Sowohl ein kleiner Mond, als auch eine nicht sehr große, aber sehr helle Sonne umkreisen diese Welt. So aussergewöhnlich wie die Form, sind auch die Bewohner der Scheibenwelt. Hier gibt es, neben ganz normalen Menschen, auch Zauberer, Hexen, Zwerge, barbarische Helden, Trolle, Golems, Vampire und Werwölfe, ja und auch Drachen. Die grösste Stadt der Scheibenwelt heisst Ankh-Morpork. Sie ist Schauplatz der meisten Romane. Hier befindet sich auch die Unsichtbare Universität (UU), das grösste Lehrinstitut für angewandte Magie. Einige Charaktere der Scheibenwelt und besonders der Stadt Ankh-Morpork wurden zu Kultfiguren.
Rincewind
Er ist ein nicht gerade sehr talentierter Student der UU. Rincewind ist Hauptakteur zahlreicher Romane. Er ist ein Held wider Willen, ein eher ängstlicher Charakter, der bei Gefahr leicht in Panik gerät. Obwohl er stets von einem ereignisarmen, langweiligen Leben träumt, zieht er Gefahren und Katastrophen magisch an.
Der Tod
Der Tod tritt auf der Scheibenwelt als grimmiger Sensenmann auf: ein wandelndes Skelett in schwarzer Kapuzenrobe und mit Sense. Er spricht in Großbuchstaben und interessiert sich derart für die Menschen, dass er sich mit der Zeit menschliche Eigenarten aneignet. So adoptiert er ein junges Mädchen und stellt auch einen jungen Mann als Lehrling ein.
Der Bibliothekar
Die Bibliothek der UU gehört zu den größten ihrer Art. Verantwortlich für das riesige Bücherlager ist ein Bibliothekar der besonderen Art: ein Orang-Utan. Der Bibliothekar war ursprünglich mal ein Mensch, aber ein magischer Unfall verwandelte ihn in einen rotbraunen Menschenaffen. Nachdem er erst einmal festgestellt hatte, dass seine Kletterkünste die Arbeit in der Bibliothek erleichterte, verweigerte er sich jeglichem Versuch, den Zauber rückgängig zu machen. Er ist gesellig und im Allgemeinen gutmütig. Sauer wird er nur, wenn man ihn als Tier bezeichnet.
Oma Wetterwachs und Nanny Ogg
Diese beiden älteren Damen sind die wohl populärsten Hexen der Scheibenwelt. Seit ewiger Zeit miteinander befreundet, können die beiden verschiedener nicht sein. Nanny ist gutmütig, gesellig. Sie trinkt gern, singt gern unanständige Lieder. Oma dagegen hat einen messerscharfen Verstand, ist aber eher distanziert im Umgang mit anderen. Bisweilen kann sie auch sehr unangenehm werden. Zusammen sind die beiden Hexen aber unschlagbar.
Manhattan Bücher im Goldmann-Verlag
In Deutschland erscheinen Terry Pratchetts Bücher in deutscher Übersetzung von Andreas Brandhorst im Goldmann-Verlag. Die Hardcover-Ausgaben erscheinen unter dem Manhattan-Label. Die späteren Taschenbuchausgaben erscheinen stets unter dem Goldmann Trademark. Neben den Romanen wurden u.a. auch. ein Nanny-Ogg-Kochbuch veröffentlicht, sowie eine Straßenkarte von Ankh-Morpork, und Comicbook-Varianten von Scheibenweltromanen.
Terry Pratchett hat inzwischen weltweit über 50 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Seine Werke wurden dabei in 34 Sprachen übersetzt. Es gibt Discworld Computerspiele und auch schon einige Verfilmungen, produziert vom englischen Privatsender SKY-TV. „Hogfather“, eine Verfilmung des Romans „Schweinsgalopp“ und die Scheibenweltvariante einer Weihnachtsgeschichte, lief vor 2 Jahren auf PRO7. Vor einigen Jahren wurde bei Pratchett Alzheimer diagnostiziert. Seither engagiert sich der Autor sehr für die Erforschung dieser Krankheit. Von der Queen wurde Terry Pratchett vor einiger Zeit zum Ritter geschlagen.
